Ehrgeiz treibt Führungskräfte an – aber wenn er in Perfektionismus umschlägt, wird er zur Belastung, wie Ivan Radosevic aus langjähriger Beobachtung weiß.
Perfektionismus gilt im Management oft als Tugend – als Zeichen von Anspruch, Sorgfalt und Qualitätsbewusstsein. Doch die Kehrseite ist weniger bekannt: Perfektionistische Führungskräfte neigen dazu, Rückschläge persönlich zu nehmen, Delegation zu vermeiden und sich in Details zu verlieren, die das große Ganze aus dem Blick geraten lassen. Ivan Radosevic aus Ludwigshafen hat sich intensiv mit diesem Thema beschäftigt und zeigt, wo die Grenze zwischen gesundem Ehrgeiz und lähmender Perfektion verläuft – und wie Führungskräfte diese Grenze rechtzeitig erkennen. Sein Ansatz hilft, Stärken bewusst einzusetzen, ohne von den eigenen Ansprüchen erdrückt zu werden.
Führungskräfte mit hohen Ansprüchen an sich selbst und andere sind in vielen Unternehmen gefragt – sie liefern Ergebnisse, setzen Standards und treiben Qualität voran. Doch wenn aus hohen Ansprüchen ein unerfüllbarer Perfektionismus wird, kippt die Stärke in eine Schwäche. Fehler werden nicht als Lernchance gesehen, sondern als persönliches Versagen. Delegation fühlt sich wie Kontrollverlust an. Und das Team leidet unter einem Anspruchsniveau, das Motivation eher hemmt als fördert. Ivan Radosevic hat in seiner Arbeit als Management-Experte immer wieder beobachtet, wie dieser Mechanismus funktioniert – und wie Führungskräfte lernen können, ihren Ehrgeiz konstruktiv einzusetzen, statt von ihm gesteuert zu werden. Denn der Unterschied zwischen Antrieb und Last liegt oft nur in der Bewusstheit, mit der man die eigenen Muster betrachtet.
Ehrgeiz und Perfektionismus: Wo liegt der Unterschied?
Ehrgeiz und Perfektionismus werden oft in einem Atemzug genannt – dabei sind sie grundverschieden. Ehrgeiz ist die Kraft, die antreibt: der Wunsch, sich zu verbessern, Ziele zu erreichen und Verantwortung zu übernehmen. Perfektionismus hingegen ist die Angst, nicht gut genug zu sein – verkleidet als hoher Anspruch.
Ivan Radosevic betont, dass diese Unterscheidung im Führungsalltag entscheidend ist. Ein ehrgeiziger Manager setzt hohe Ziele und akzeptiert, dass der Weg dorthin nicht immer geradlinig verläuft. Ein perfektionistischer Manager setzt dieselben hohen Ziele – aber akzeptiert Umwege, Fehler und Rückschläge kaum. Das hat Konsequenzen: für die eigene Belastbarkeit, für die Qualität der Entscheidungen und nicht zuletzt für das Team, das unter diesem Anspruchsniveau arbeitet.
Die gute Nachricht ist, dass Perfektionismus keine unveränderliche Charaktereigenschaft ist. Wer seine eigenen Muster erkennt, kann gegensteuern – und den Ehrgeiz in eine Kraft verwandeln, die trägt statt belastet.
Ab wann wird Perfektionismus zur Führungsschwäche?
Perfektionismus wird zur Führungsschwäche, wenn er das Handeln einschränkt statt zu verbessern. Ivan Radosevic aus Ludwigshafen beobachtet, dass perfektionistische Führungskräfte häufig Entscheidungen hinauszögern, weil keine Option perfekt erscheint, Aufgaben nicht delegieren, weil andere sie „nicht gut genug“ erledigen würden, und Mitarbeitende mit überhöhten Erwartungen unter Druck setzen. All das kostet Zeit, Energie und Vertrauen – und schadet dem Team mehr, als es nützt.
Der Gewinner-Typ: Ehrgeiz mit Schattenseiten
Ivan Radosevic beschreibt in seiner Analyse von Managertypen den sogenannten Gewinner als einen der ambitioniertesten Führungstypen. Gewinner verfolgen ihre Ziele mit unerschütterlichem Fokus, streben nach Spitzenleistungen und identifizieren sich stark mit ihren Ergebnissen. Diese Eigenschaften machen sie zu treibenden Kräften in Organisationen – aber sie haben auch eine Kehrseite.
Wer sich so stark mit den eigenen Ergebnissen identifiziert, reagiert auf Rückschläge empfindlicher als andere. Fehler werden nicht nur als Informationen verarbeitet, sondern als Urteile über die eigene Person. Ivan Radosevic beobachtet, dass Gewinner deshalb manchmal Schwierigkeiten haben, angemessene Bewältigungsstrategien für Misserfolge zu entwickeln – was sie langfristig anfälliger für Selbstzweifel und Erschöpfung macht.
Das bedeutet nicht, dass der Gewinner-Typ eine schlechte Führungspersönlichkeit ist. Im Gegenteil: Sein Antrieb und sein Qualitätsbewusstsein sind echte Stärken. Es bedeutet lediglich, dass dieser Typ besonders davon profitiert, die eigenen Reaktionsmuster zu kennen und bewusst zu steuern.
Ivan Radosevic aus Ludwigshafen: Wenn Perfektionismus Delegation verhindert
Eine der folgenreichsten Auswirkungen von Perfektionismus im Management ist die Unfähigkeit oder Unwilligkeit, zu delegieren. Wer glaubt, dass nur die eigene Erledigung einer Aufgabe zu wirklich guten Ergebnissen führt, lädt sich eine Arbeitslast auf, die früher oder später erdrückend wird.
Ivan Radosevic betont, dass Delegation nicht bedeutet, Qualität zu opfern. Es bedeutet, Vertrauen zu investieren – in die Fähigkeiten der Mitarbeitenden und in die eigene Führungsstärke, andere zu befähigen. Wer nicht delegiert, schützt sich nicht vor schlechten Ergebnissen. Er verhindert die Entwicklung seines Teams und erschöpft sich dabei selbst.
Perfektionistische Führungskräfte neigen außerdem dazu, delegierte Aufgaben so eng zu überwachen, dass der Unterschied zur Eigenerledigung minimal ist – was weder dem Mitarbeitenden noch der Führungskraft hilft. Ivan Radosevic empfiehlt stattdessen, klare Erwartungen zu kommunizieren, dann loszulassen und das Ergebnis zu bewerten, nicht den Weg dorthin.
Wie lernt man als perfektionistische Führungskraft, loszulassen?
Der erste Schritt ist die Erkenntnis, dass „gut genug“ in vielen Situationen tatsächlich gut genug ist. Ivan Radosevic rät, bewusst zwischen Aufgaben zu unterscheiden, die wirklich höchste Präzision erfordern, und solchen, bei denen ein solides Ergebnis vollkommen ausreicht. Diese Differenzierung spart Energie und schafft Raum für die Dinge, die wirklich die eigene Aufmerksamkeit verdienen. Wer das einmal verinnerlicht hat, delegiert nicht nur leichter, sondern auch wirkungsvoller.
Der Umgang mit Kritik als Spiegel des Perfektionismus
Ein weiterer Bereich, in dem sich Perfektionismus im Management zeigt, ist der Umgang mit Kritik. Perfektionistische Führungskräfte empfangen Feedback oft als persönlichen Angriff, weil sie ihren Selbstwert so stark an ihre Leistung knüpfen, dass Kritik an der Arbeit wie Kritik an der Person wirkt.
Ivan Radosevic beschreibt dieses Muster auch bei anderen Managertypen – etwa beim Versorger, der besonders sensibel auf Kritik reagiert, oder beim Komponisten, der seine kreative Vision als unantastbar betrachtet. Was diese Typen verbindet, ist die Schwierigkeit, Feedback als nützliche Information zu empfangen statt als Bedrohung.
Folgende Anzeichen deuten darauf hin, dass Perfektionismus den Umgang mit Kritik erschwert:
- Feedback wird als persönlicher Angriff wahrgenommen, nicht als sachliche Information
- Kritik löst Rechtfertigungsdrang aus statt Neugier auf Verbesserung
- Lob wird kaum wahrgenommen, während Kritik unverhältnismäßig lang nachwirkt
- Der Wunsch, Fehler zu verbergen, überwiegt den Wunsch, daraus zu lernen
Der Weg heraus führt über eine veränderte Grundhaltung: Feedback ist keine Bewertung der Person, sondern ein Werkzeug zur Verbesserung. Wer diese Haltung entwickelt, kann Kritik konstruktiv nutzen – und wächst daran, statt daran zu leiden.
Ehrgeiz als Stärke nutzen – ohne von ihm gesteuert zu werden
Am Ende läuft alles auf eine zentrale Einsicht hinaus, die Ivan Radosevic in seiner Arbeit immer wieder vermittelt: Ehrgeiz ist eine Ressource, kein Schicksal. Wer seine eigenen Antriebe kennt und versteht, kann sie bewusst einsetzen – als Kraft, die trägt, statt als Last, die drückt.
Das bedeutet konkret:
- Hohe Ziele setzen, aber realistische Wege und Umwege akzeptieren
- Qualität anstreben, aber Fehler als Teil des Prozesses begreifen
- Andere fordern, aber ihnen den Raum lassen, auf ihre eigene Art gut zu sein
- Sich selbst gegenüber denselben Großmut aufbringen, den man dem eigenen Team entgegenbringt
Ivan Radosevic ist überzeugt, dass Führungskräfte, die diesen Balanceakt meistern, nicht nur leistungsfähiger sind – sondern auch zufriedener, belastbarer und langfristig wirksamer.







